Geh- und Radwegbrücke Frühlingsstraße-Austraße

Die Kindergartenbrücke fehlt. Das ist eine Tatsache. Die Gemeindeverwaltung erhält regelmäßig Anfragen, wann die Brücke wieder aufgebaut wird, wie der aktuelle Stand ist und warum der Brücken-Wiederaufbau so lange dauert. Der Verwaltung wird vorgeworfen, geschlafen und zu lange gewartet zu haben. Deshalb möchten wir an dieser Stelle einen kurzen Überblick zum aktuellen Stand, aber auch zu den Hintergründen geben.

Die Brücke Frühlingsstraße-Austraße (sog. Kindergartenbrücke) war eine wichtige Verbindung zwischen dem Gewerbegebiet-Ost und dem Ortskern, die von Alt und Jung regelmäßig genutzt wurde. Die Gemeinde und auch der Marktgemeinderat sind bestrebt, so schnell wie möglich eine Lösung zu schaffen – sei es, als vorübergehenden oder als langfristigen Brückenbau. Dazu müssen bestimmte Vorgaben eingehalten werden, was etwas Geduld erfordert.
Der Tagesordnungspunkt der Marktgemeinderatssitzung am 18.07.2019 hatte das Ziel, über den aktuellen Stand der Planung der Geh- und Radwegbrücke Frühlingsstraße-Austraße zu informieren und diesen im Gemeinderat zu diskutieren.
 
Derzeit stehen drei Lösungen im Raum: die Beschaffung bzw. Miete einer Behelfsbrücke, der Neubau der Brücke als Ersatzbrücke (ohne Berücksichtigung der Elektrifizierung) oder der Neubau unter Berücksichtigung der Vorgaben für die Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lenggries bzw. Holzkirchen-Bayrischzell. Für die Abwägung werden Kosten, Planungsvorgaben, Fördermöglichkeiten und Zeitrahmen aller drei geprüft und gegenübergestellt.
Die Marktgemeinde möchte bei der Planung eine Verbreiterung der Brücke – im Hinblick auf gestiegene Anzahl von Radfahrern/Fußgängern – in Betracht ziehen.
 
Die voraussichtlichen Kosten für die Behelfsbrücke wurden vom beauftragten Ingenieurbüro Leonhard, Andrä und Partner auf ca. 107 000 Euro zzgl. Planungskosten bei einer angenommenen Standzeit von 8 Monaten benannt, jedoch fehlt hier noch eine Aussage zur zeitlichen Umsetzung. Ein Besprechungstermin für die Maßnahme zusammen mit der DB Netz AG fand leider noch nicht statt. Die Bahn benötigt vor einem Besprechungstermin eine Vorlaufzeit von 4 Wochen zur internen Abstimmung. Die Zeiträume für den notwendigen Genehmigungsablauf bei der DB sind daher noch nicht bekannt.
 
Für den Neubau einer Brücke wurde ein möglicher Rahmenterminplan vom Ingenieurbüro aufgestellt. Demnach könnte nach einer Vorplanung ein Beschluss über die Vorzugsvariante durch den Marktgemeinderat im September 2019 getroffen werden und die Bauausführung bis ca. September 2020 stattfinden. Jedoch sind hierbei ggf. lange Terminabstimmungen und Genehmigungszeiten mit/von der DB Netz AG noch nicht berücksichtigt.
Eine genaue Kostenschätzung kann erst im Zuge der Vorplanung und den daraus entstehenden Variantenuntersuchungen erstellt werden.


Der Eine oder Andere mag sich noch daran erinnern, dass es früher eine Brücke gab, die auch für den Autoverkehr freigegeben war. Im Jahr 1988 wurde dann festgestellt, dass diese nicht mehr der Verkehrssicherheit entspricht. Eine neue Brücke musste her – und wurde in Form einer Holzbrücke, die für den Rad- und Fußgängerverkehr freigegeben wurde, gebaut. Kostenträger und verantwortlich für die Planung war damals die Deutsche Bahn. Nach dem Bau ging die Brücke in die Verantwortlichkeit der Gemeinde Holzkirchen über.

Sämtliche Brücken werden regelmäßig auf ihre Sicherheit geprüft. Im Rahmen einer solchen Brückenprüfung wurden im Dezember 2017 erhebliche Mängel festgestellt, die auf Anraten eines Prüfsachverständigen für Standsicherheit zu einer Einschränkung der Nutzungsbreite der Brücke führten. Zudem wurden veranlasst, das die Brückenprüfungen in kürzeren Abständen erfolgen solle. Nachdem der Prüfsachverständige den Verdacht äußerte, dass ein Fehler im Ansatz der ursprünglichen Statik aus dem Jahr 1988 vorliegt, ließ die Verwaltung anwaltlich prüfen, ob Schadens- oder Gewährleistungsansprüche des Marktes gegenüber der Deutschen Bahn rechtlich durchgesetzt werden können. Dies wurde jedoch von der Kanzlei verneint.

Bereits zum damaligen Zeitpunkt wurde eine Erweiterung der Elektrifizierung der Bahnstrecke „Holzkirchen – Lenggries“ in Erwägung gezogen. Deshalb setzte man sich mit der Deutschen Bahn in Verbindung, um Auskunft über eine mögliche Beteiligung der Deutschen Bahn beim Mehraufwand und eine finanzielle Unterstützung beim Bau der Brücke zu erhalten. Allerdings stellte die Deutsche Bahn klar, dass eine Elektrifizierung zwar realistisch sei, jedoch im aktuellen Bundesverkehrswegeplan 2030 „weder im vordringlichen noch im weiteren Bedarf aufgenommen wurde“ und somit keine Gelder dafür eingestellt sind – demnach ist die Deutsche Bahn nicht verpflichtet, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Daraufhin bat die Verwaltung im Mai 2018 das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr um Unterstützung. Im Oktober 2018 erhielt man über das genannte Ministerium eine Nachricht des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, dass die Problematik in der Verkehrsministerkonferenz im Frühjahr 2019 diskutiert und ein konkreter Lösungsvorschlag unterbreitet werden solle.

Aufgrund der Ergebnisse einer eingehenden Untersuchung des Brückenbauwerks am 30. November 2018 und der dabei gegenüber der letzten Messung festgestellten deutlich größeren Verformungen musste die Brücke noch am selben Tag gesperrt werden. Am 17.12.2018 wurde die Brücke zurückgebaut, da es immer wieder Personen gab, die die Absperrung missachteten und die Brücke trotzdem betraten.

Anfang dieses Jahres haben schließlich Gespräche mit Vertretern der Regierung von Oberbayern stattgefunden, bei denen vorgeschlagen wurde, zunächst im Rahmen der Planung einen Vergleich der Kosten bei einer Erneuerung der Brücke ohne Berücksichtigung der Elektrifizierung und mit Berücksichtigung der Bahnlinie darzustellen. Im März 2019 wurde das Vergabeverfahren für die Planungsleistungen zum Neubau der Kindergartenbrücke eingeleitet.