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Bahngespräch: BOB und DB treffen Vorbereitungen für den kommenden Winter


Vor dem anstehenden Winter haben die Bürgermeister des Landkreises Miesbach unter Vorsitz von Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis noch einmal mit Vertretern der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und der Deutschen Bahn (DB) sowie der Landratsämter Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen Bilanz gezogen. Die Vertreter der BOB und der DB informierten über den aktuellen Stand der Maßnahmen für einen stabilen Zugverkehr, die nach dem Katastrophenfall im Winter beschlossen wurden. Insgesamt sehen sich die Vertreter der BOB und der Bahn gut für den kommenden Winter gerüstet. „In den kommenden Monaten wird sich zeigen, inwieweit die Maßnahmen greifen“, so das Fazit von Olaf von Löwis, „Es ist viel passiert, aber es gibt auch noch einiges zu tun.“
 
Die teilnehmenden Bürgermeister Johannes Hagn (Tegernsee), Josef Lechner (Fischbachau) und Jens Zangenfeind (Hausham) bestätigten, dass in den vergangenen Monaten große Fortschritte erzielt wurden. „Es ist erkennbar, dass seit dem letzten Winter viele Anstrengungen unternommen wurden, um Situationen wie im letzten Winter zu vermeiden.“ Allerdings attestierten die Gemeindechefs auch, dass es noch Themen mit deutlichem Verbesserungsbedarf gibt. Dazu zählen eine funktionierende Fahrgastinformation ebenso wie ein gesicherter Busnotverkehr.
 
Fabian Amini, Geschäftsführer der BOB, stellte noch einmal sein Fünf-Punkte-Programm zur Vorbereitung auf die kommende Wintersaison vor. Im Fokus steht hier die Verbesserung des Störfall- und Großstörungsmanagements. Die Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen in Krisenfällen wurde verbessert; außerdem wurden die Zusammenarbeit mit der DB Netz als verantwortlicher Infrastrukturanbieter intensiviert.
 
Einhelliger Tenor in der Bürgermeisterrunde war, dass einer der wichtigsten Aspekte im Störungsfall die schnelle und korrekte Information der Fahrgäste sei. Amini sicherte hier eine schrittweise Verbesserung der Fahrgastinformation zu – auch über die BOB-Systeme hinaus. So werden zukünftig bei Störfällen unter anderem in allen Online-Medien (BOB-App, DB Navigator, bahn.de) aktuelle streckenbezogene Informationen aufgeführt und die dynamischen Anzeigen an den Bahnhöfen sollen aktuelle Informationen bereitstellen.
 
Allerdings, so Amini, sei das Informationssystem insgesamt so komplex, dass nicht von heute auf morgen alle gewünschten Informationen verfügbar seien. „Das Problem der nicht zufriedenstellenden Fahrgastinformation haben wir in ganz Deutschland, es ist nicht auf das Oberland beschränkt.“ Auch der Anregung, doch als Überbrückung über Lautsprecher mit den Fahrgästen zu kommunizieren, mussten die Verantwortlichen von DB und BOB eine Absage erteilen. Es sei nicht möglich, an einzelnen Bahnhöfen Durchsagen zu machen, weil diese zentral von einer Stelle in Oberbayern gesteuert werden. Es sei technisch und logistisch nicht umsetzbar, jeden einzelnen Bahnhof zu versorgen.
 
Großen Verbesserungsbedarf gab es auch bei den Notverkehrskonzepten für Busse bei Großstörungen. Auch hier ist vieles optimiert worden. So wurde festgeschrieben, welche Ersatzhaltestellen freigeräumt werden müssen. Busfahrer bekommen so genannte Ortsmappen, damit sich auch ortsunkundige Fahrer schnell orientieren können. Organisatorisch ist man also gut aufgestellt. Problematisch aber sei, wie auch Peter Schiffmann, Fachbereichsleiter Verkehr am Landratsamt Miesbach, bestätigte, dass es weder ausreichend Busse noch genügend Fahrer gebe.
 
Ein weiterer Knackpunkt im letzten Winter war die Räumung der Bahnhöfe. Helmut Zöpfel (Leiter Bahnhofsmanagement Rosenheim bei der DB) erläuterte, dass der Winterdienst an den Bahnhöfen von der DB Service in Eigenregie sowie von elf weiteren Dienstleistern übernommen werde. Mit der Winterplanung 2019/2020 sei bereits im Februar 2019 begonnen wurden, um Vorfälle wie im letzten Winter zu vermeiden. Seit Mitte Oktober werden ergänzend zu den organisatorischen Vorbereitungen Winterübungen durchgeführt. Werden Abweichungen vom Soll festgestellt, werden die getroffenen Maßnahmen korrigiert und Wiederholungsübungen angesetzt. Zudem verpflichtet sich die DB Services, bei Schwerlastbahnhöfen – dazu zählen alle Bahnhöfe im Oberland – nach einer Aktivierung innerhalb einer bestimmten Zeit vor Ort zu sein, um Räumarbeiten vorzunehmen. Angestrebt sind 30 Minuten, im Regelfall sind zwei Stunden vorgesehen.   
 
Dr. Herbert Scheller von der DB Netz informierte darüber, dass das Einsatzstufenkonzept der DB geschärft und überarbeitet wurde und die jährlich stattfindenden Winterübungen deutlich intensiver als in der Vergangenheit gestaltet wurden. Für das Einsatzgebiet stehen zusätzliche Fräsen zur Verfügung, um einen stabileren Räumprozess sicherzustellen. Das Personal für die Schneeräum- und -frästechnik wurde aufgestockt, und es erfolgt eine intensive örtliche Einweisung neuer Räum- und Sicherungsfirmen mit einem Expertenteam vor Ort. Zudem wurde eine Vor-Ort-Vegetationsbereitschaft geschaffen sowie ein Vor-Ort-Reparatur- und Ersatzteilkonzept etabliert. All diese Punkte sollten zu einer wesentlichen Qualitätsverbesserung im kommenden Winter führen, denn sie ermöglichen schnelles Handeln.
 
Insgesamt sehen sich die Vertreter der BOB und der DB gut für den kommenden Winter gerüstet. „Wir haben alle akuten Probleme, die letzten Winter aufgetreten sind, in Angriff genommen und überarbeitet“, so Fabian Amini. Die Verantwortlichen beider Unternehmen bestätigen, dass alles menschenmögliche getan wurde und werden wird, um für den Winter gerüstet zu sein, können jedoch keine 100%ige Garantie für störungsfreien Eisenbahnverkehr geben.

Bild von holzijue auf Pixabay
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